Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

und es gibt auch Wunder

aber wir beide - werte Kollegin - wissen, dass es nicht möglich ist, ...

drehen wir die Zeit ein paar Tage zurück

Sonntag morgen - ich sitz beim Frühstück - das Telefon klingelt.

Paula ist dran, weint, ist aufgelöst: ihre Worte: Barbara, ich hab einen Autounfall gehabt, darf ich nachher mit Allie vorbei kommen, ich glaub, sie ist verletzt. Ich versuche meine Gedanken zu ordnen, aus Paula vernünftige Worte zu dem Geschehenen heraus zu bekommen - alles dreht sich - ich: soll ich dich holen ?? Was ist dir passiert ??? Paula: nein, danke, nur mit Allie komm ich vorbei, Allie belastet das Bein nicht ...

10 Minuten später wieder Paula am Telefon: Barbara, kannst du bitte doch Allie holen ...

Es ist bitterkalt, neblig - minus 8 Grad, die Strassen schlecht geräumt. Ich versuch so schnell wie möglich, aber auch so sicher wie möglich zu Paula zu gelangen ... ich brauch dennoch fast 40 Minuten ...

Der Unfallsort - von weitem erkennbar, ich kenn die Strecke und auch die Stelle gut - da liegen immer wieder Autos im Graben ... - ich fahre langsam, finde Paula nicht - der Polizist winkt ungeduldig, ich wink den Polizisten heran: ich bin der Tierarzt, der den Hund abholen soll - er zeigt mir den Weg zu Paula

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Da sitzt sie - seit gut 40 Minuten (!!!) bei MINUS 8 Grad in einer Strassenbucht auf einer dünnen Decke - völlig unterkühlt, der verletzte Hund, Paula unter schwerem Schock - WAS für ein Wahnsinn, KEINE Rettung, KEINE Hilfe - in eisiger Kälte !!!

Es ist Paula egal - der Hund - warum Allie, warum nicht ich - Entschuldigung (wofür?) - Tränen, ununterbrochen entschuldigt sich Paula dafür, dass sie unverletzt ausgestiegen ist und Allie nicht

Allie sitzt ganz ruhig da - sie beruhigt Paula, sie beruhigt uns ... ich pack sie ein - ein Freund kommt und nimmt Paula mit - ich steck Allie ins Auto, sie ist froh im warmen zu sein ...

Annie - die sonst wild und ungestüm ihre Lieblingsschwester begrüßt, ist mucksmäuschenstill ... es ist gespenstisch still im Auto - keiner meiner Hunde rührt sich, Allie sinkt zu Boden, sie ist erschöpft - alles wird gut, es ist wenigstens warm ...

Ab in die Klinik - Blut, Röntgen - Herz, Lunge, Blase, Leber - alles ok soweit, der Ellbogen - ein Stückchen abgebrochen, vielleicht ohne Gelenksbeteiligung, also - Glück im Unglück ???

Telefonat mit einer weltbesten Chirurgin: boah - könnte sein - aber mehr weiss man erst, wenn sie operiert wird - egal, weiter zum Chirurgen, aber erst morgen, es eilt nicht, Paula ist inzwischen auch wieder hier - der Schock sitzt tief, aber Allie scheint gut davon gekommen zu sein - eine kleine Op - das ist nicht so schlimm ...

OP-Termin 24h später, nochmals Thoraxröntgen: es hat sich ein Pneumothorax entwickelt ... Op abgesagt, der Lungenlappen rechts ist kollabiert, aber das gibt sich bei jungen Hunde schnell wieder. Morgen Kontrolle, und dann OP - das Bein kann man später noch operieren, also es eilt nicht. Allie geht es gut ...

Ein Tag weiter: der Pneumothorax hat sich verschlechtert, obwohl Allie klinisch nichts zeigt! Telefonat mit dem Topchirurgen: OP ja oder nein ...viele Überlegungen -. zuwarten würde ev. bedeuten, dass der Zustand sich weiter verschlechtert und sie erstickt - also zumindest Thoraxdrainage legen und dann sehen, wie weit man kommt.

Das war die Entscheidung

Sie wird noch abends operiert, alles verläuft planmäßig. Stabil nach der Drainage, stabil nach der EllbogenOP, bei der glücklicherweis nur das oberste Stück (Olecranon) abgebrochen ist, ohne jeglichge Gelenksbeteiligung.

OP - erfolgreich - beendet - man will die Narkose beenden - plötzlich - ohne Vorwarnung, die zweite Lungenhälfte kollabiert - Ödem, Schocklunge - es geht ganz schnell - Allie atmet nicht mehr - ....

Sie ist noch intubiert, unverzüglich wird mit der aktiven Beatmung begonnen, die Narkose aufrecht erhalten ... die ganze Nacht ... sie atmet nicht - no way

14 Stunden lang ...

Die falsche Entscheidung ??? Was weiss man - einen Tag später wäre sie vielleicht daheim erstickt - oder nicht - anyway - es ist IMMER die falsche Entscheidung, wenn der Hund stirbt ...

der Anruf vom Chirurgen - einer der Topchirurgen Österreichs, der tief betreten und emotional - abseits seiner fachlichen Kompetenz - ehrlich Rede und Antwort steht - seine Antwort: das zweite Mal in meiner Laufbahn, dass so etwas passiert ... wir operieren so viele Hunde mit Polytraumen, auch Pneumothorax - und dann ausgerechnet bei einem Hund von Ihnen ... ein Schlag aus dem Hinterhalt -. so ungerecht, aber was soll ich beschönigen

wir beide wissen

es kann nur ein Wunder helfen.

Dann werden fachlich die Chancen diskutiert - ich hab den Part ab hier für Paula wieder übernommen. Es redet sich leichter von Kollege zu Kollege, aber es gibt hier eigentlich nicht viel zu bereden ... Dinge passieren, ob man will, oder nicht ...

Auf der Uni - spezielle Form der Tiefenbeatmung, vielleicht - aber selbst wenn - sie würde den Transport nicht überleben: O-Zitat - sie wäre spätestens am Gürtel tot ....

Außerdem zeigt die lange Narkose bereits, dass der kleine Körper nicht mehr mitspielt - nun dealen wir nicht mehr nur mit der Schocklunge, die mit Fibrin zugesuppt ist, sondern bereits mit Schockdarm und beginnendem Nieren - und Leberversagen

uns läuft die Zeit davon

multiples Organversagen mit Narkose

keine Atmung ohne Narkose

dann - Die Entscheidung - meine Entscheidung - unsere Entscheidung, von der ich weiß,dass Paula sie mitträgt und mir vertraut

Wir haben eine Chance von unter 1 % - wir hängen alle Geräte ab und lassen sie aufwachen

vielleicht beginnt sie spontan zu atmen

vielleicht geschieht ein Wunder

denn Frau Kollegin, wir beide wissen ja ... die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt

diese Worte von einem der weltbesten Chirurgen haben mich sehr berührt ...

Wir beide wissen, dass sie - medizinisch gesehen - keine Chance hat

...

aber sie darf/kann sterben

...

ich fahr zu "den Kindern"

mit Tränen

und keiner Hoffnung im Gepäck ...

Wir sitzen stumm im Haus - alle zusammen, die Hunde sind ruhig -

warum, Tränen, nein, keine Hoffnung

aber

immer wieder . NOCH IST doch nicht tot

dennoch

sie HAT keine Chance - zwei kollabierte Lungen, Multiorganversagen -

was erwarten wir uns

mein Herz will nicht begreifen, was mein Kopf bereits erklären kann ...

soviele Tränen

Stunden vergehen

kein Anruf

gutes oder schlechtes Zeichen

wir einigen uns auf ein gutes ...

auf Hoffnung

wir konzentrieren uns auf IHRE Atmung

sie muss EINFACH ATMEN - wie Choice - damals, als sie tot geboren wurde -

Choices Tochter, auch wenn es medizinisch nicht erklärbar ist

...

ein zweites Wunder

...

sie muss atmen !!!

sie muss atmen !!!

das Telefon klingelt

ich spring auf, die Nummer der Klinik ...

gespannte Stille: ich MAG es NICHT hören

die Stimme des Chirurgen - sie klingt - erlöst, erfreut, entspannt ?????

so wenig und doch soviel:

Frau Kollegin, sie werden es nicht glauben, wir tun es eigentlich auch nicht,

aber wir haben eine Spontanatmung - SIE ATMET !!!!

...

Ein Schrei geht durch die Runde: SIE ATMET - ALLIE LEBT !!!

Wir brauchen Plasma, die Gefahr ist noch nicht gebannt, aber wir wissen: sie lebt und sie wird leben - PLÖTZLICH 100% Zuversicht, die nichtmal der Chirurg bremsen kann

wenn Allie sich entschlossen hat zu bleiben, dann bleibt sie

WIR sind uns sicher ...

Zwei besorgen Plasma aus der Blutspendebank

wir fahren in die Klink - Allie ist wach - wedelt uns zu - hi ihr - mir gehts gut, was habt ihr nur alle ... unglaublich - für alle - allen voran die Mediziner, die alles erklären wollen und doch nicht können ...

Sie sieht nicht aus, als wäre sie grad an der Kippe gewesen .... wenn da nicht so viele Schläuche gewesen wären, würde sie aufstehen und heim gehen ...

Sie überlebt - auch die nächsten kritischen 24 Stunden, wir sind uns sicher, ab dem Zeitpunkt, wo sie zu atmen begonnen hat -

nun kämpft sie weiter - Tag für Tag ein Stückchen mehr

auch eine neuerliche kleine OP, da die Lunge durch die lange Beatmung sich noch nicht geschlossen hat, steckt sie weg ...

sie lebt und sie kämpft

welcome back kleine Maus - halte durch, das schlimmste hast du bereits überstanden ...

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Kommentar von Monika und Martin aus der Schweiz |

Liebe Barbara, bei dieser unfassbaren Geschichte bekommt man Gänsehaut und die Tränen kullern zugleich. Wir selber wissen, die Hoffnung soll man nie aufgeben - aber es braucht eben manchmal auch ein Wunder...und dies scheint eines zu sein. Viel Glück! Herzlichst Monika und Martin mit X-Calibur

Kommentar von Katharina Rediske |

Liebe Barbara, liebe Paula,
das ist ein unglaubliche Geschichte, die uns alle wieder einmal vor ein wundervolles Choice-Rätsel stellt. Es gibt Dinge, die man nicht begreifen kann, weil sie wirklich Wunder sind. Ich habe mit Euch gebangt, sind es doch auch meine Hunde (Carlos-Enkel) und ich bin so überglücklich, dass es Allie wider Erwarten geschafft hat, die Choice-Saga setzt sich anscheinend irgendwie fort. Für uns alle wieder einmal ein Grund, an Wunder der Natur oder wie immer man es formulieren möchte, fest zu glauben. Ich bin geografisch sehr weit weg von Euch, mit den Gedanken aber jeden Tag bei Allie und ihrem gesamten zwei- und vierbeinigen Team ! Es geht wieder bergauf ! Eure Katharina & die Velvets

Kommentar von Viara Gent |

Dear Barbara and Paula, I just read this unbelievable story! I am in tears and dad is just beside me. We wish you a fast and safe recovery! I am so happy she made it. I don't want to think any other way.
Sweet girl, you are a miracle like your mama!
Kisses and hugs
Viara & Deneview Snowtoe
and all the girls in the pack.

Kommentar von Nicola |

Liebe Barbara,
Ich drücke euch ganz fest die Daumen, dass alles wieder gut wird! Die kleine Maus scheint ja das unglaubliche Kämpfergen ihrer Mama geerbt zu haben. Ich wünsche euch gaaanz starke Nerven und haltet durch!

Nicola mit Fee, Annie und Izzie

Kommentar von Karin Schmidt |

Bin so berührt, Tränen und dann Freude, dass sie es geschafft hat, die kleine Kämpferin. Seid umarmt von Karin, Ida & Lyn

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