Kyrgyzstan_Nachschlag

ein paar Daten zu unserer Tour

und ein paar Fotos mehr, die hier nun allesamt nicht von mir stammen, sondern von meinen Mitreiterinnen - danke dafür !

Wir haben Kirgistan von Süden nach Norden durchquert, also von der Chinesischen Grenze bei Tash Rabat bis Kalinovka an der Kasachischen Grenze. Das sind knapp 300 km in 11 Tagen

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im Schnitt sind wir 30km am Tag geritten, was am ersten Blick nicht viel erscheint. Nimmt man aber die Höhenmeter dazu, sieht das Ganze wieder anders aus. Da buchen wir gleich ca 7000 Höhenmeter bergauf und knapp 9000 Höhenmeter bergab dazu, was die unglaubliche Leistung der Pferde unterstreicht.

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wir waren 3 bis 9 Stunden täglich unterwegs, wohl durchdacht folgte auf jeden langen und anstrengenden Tag ein leichterer und kurzer Ritt.

Die Pferde waren gepflegt und von "kleinen" Ponys weit entfernt. Hübsche, wohlproportionierte kleine Pferde, zäh, muskulös und genügsam. Abends bekamen sie zusätzlich Hafer, sonst mussten sie mit dem auskommen, was ihnen die Landschaft geboten hat.

Zum Satteln wurden die Pferde angebunden, sonst durften sie sich - gehobbelt - frei bewegen.

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Auf die Pferde wurde sehr gut geachtet, ebenso wie Sättel und Zaumzeug top in Schuss waren. Am Abend und Morgen wurden die Pferde genau auf Verletzungen geprüft, Hufe kontrolliert und ggf. neu beschlagen.

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Die Pferde waren alle leicht zu reiten, allerdings nicht nach dem, was wir unter Reiten verstehen. Viel mehr auf Stimme und Gewicht, Zügel waren eigentlich nie wirklich nötig, die Art zu reiten entspricht am ehesten der Gebrauchsreitweise der Gauchos - effizient und verständlich für Pferd und Reiter.

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Trailreiten bedeutet aber auch, dass die Hauptgangart Schritt ist. Die Sättel waren bequem und dank unserer raufgeschnallten Schlafdecken auch weich. Zu 85 % sind wir flotten Schritt geritten, gut die Hälfte der Pferde konnten passen. Dazwischen gab es hin und wieder flotte Galopppassagen, die Pferde waren immer motiviert (auch nach 9 Stunden Tagesetappe) aber auch immer (und zwar wirklich immer) kontrollierbar - in jeder Situation und in jeder Gangart.

Egal welches Gelände, die Pferde machten alles mit, die Trittsicherheit ist einzigartig.

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Man kann und muss ihnen aber auch vertrauen, denn das Gelände ist gerade in den Höhen durchaus anspruchsvoll. Egal ob Geröll, Schnee, Firn, Wasserquerungen oder große Steine - alles wird mit Ruhe und Souveränität gemeistert.

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immer wieder - wenn das Gelände zu schwierig war, stiegen wir ab und führten unsere Pferde - also sollte man neben der Sattelsicherheit auch über eine gute Grundkondition verfügen. Die Höhe selbst (wir bewegten uns ja bis knapp unter 4000m) war für uns alle kein Problem.

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das Essen war zu meiner ganz großen Überraschung keine Herausforderung, sondern genau meine Kragenweite - viel Obst und Gemüse, Teigwaren, selbstgemachtes Brot und wenig Fleisch (und wenn, dann gutes Lammfleisch). Wir hatten eine eigene Köchin - unsere gute Seele Gulmira - dabei. Zwischendurch wurden wir auch von den Nomaden versorgt, zweimal auch in einheimischen Gaststätten und das Essen war immer gut und reichhaltig!

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Wasser und Tee wurde mit gefiltertem Wasser zubereitet - auch hiermit hatte niemand Probleme.

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zu Mittag gabs unterschiedlich - je nachdem, ob das Transportauto zufahren konnte - kalt oder warm. Auch wenn es rustikal aussieht, es war immer sauber und sehr schmackhaft zubereitet.

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wir hatten unglaublich Glück mit dem Wetter, bis auf einen Tag immer Kaiserwetter

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gerade die Zeltübernachtungen und das Zusammensitzen wären bei Regen und Kälte schon eine Herausforderung. Zwar regnet es in Kirgistan nicht so oft, nichts desto trotz schon alleine aufgrund der Höhe und Exponiertheit kann das Wetter blitzschnell umschlagen und zur Herausforderung werden.

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bei Sonne, Wärme und wie immer am Fluss, sieht das Ganze dann eher nach Urlaub aus Lachend

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spannend auch die Tag/Nacht/Temperaturunterschiede. Tagsüber war es wirklich angenehm warm (bis 25 Grad), aber sobald die Sonne verschwand, sank die Temperatur dann deutlich ab, teilweise unter Null Grad ... Ein guter und warmer Schlafsack, sowie eine dicke Isomatte sind unabdingbares Muss auf so einer Reise.

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Die Pferde waren ja die ganze Nacht frei (gehobbbelt) - und wurden von unseren Guides frühmorgens wieder zusammen gesammelt. Wenn sich eines der Pferde dabei an eine fremde Herde angeschlossen hatte, war das Ganze für uns schon spektakulär anzusehen, wie schnell der "Überläufer" wieder aussortiert wurde.

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Die Landschaft war wirklich atemberaubend, jeden Tag aufs Neue

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Tash Rabat auf knapp 3500 m

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unterwegs grüne Almwiesen

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auch die Verwunderung, dass auf dieser Höhe noch etwas wächst

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karge Hochebenen wechselten mit steilen und engen Tälern

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Einblicke und Ausblicke

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menschenleer und unberührt

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hinauf ins ewige Eis

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wo man sich bewusst wird, wie klein und unwichtig alles ist ...

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immer noch unglaublich, was die Pferde mit uns geleistet haben ...

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wir haben Freunde gefunden

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und letztlich auch ein Stück zu uns selbst

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Bishkek - als Kontrast zu 12 Tagen Einsamkeit war dennoch von gemütlicher Geruhsamkeit

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wird mir als Stadt der Blumen

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der Rosen

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und der Sauberkeit in Erinnerung bleiben

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so ein Trail steht und fällt aber auch mit den Mitreisenden - und auch da hatten wir Glück - 9 bunt zusammengewürfelte Menschen, 24h zusammen, und es gab keine Unstimmigkeiten, kein einziges Problem. Wir waren ein tolles Team, danke euch! (unser letztes gemeinsames Abendessen in Bishkek)

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zu guter letzt

für wen ist dieser Trail geeignet

ok, für Reiter - klar, wobei das reiten hier mit der klassischen Reiterei, wie wir sie in Europa pflegen nichts zu tun hat. Die Kirgisen wachsen zwar quasi am Pferd auf und sind von diesem auch nicht mehr runter zu bekommen. Das was wir unter Reiten verstehen, beherrschen sie nicht. Wozu auch, das Reiten hier ist Fortbewegung, zweckmäßig und wer stunden/tagelang im Sattel sitzt, legt auf andere Dinge Wert, als wir es tun.

Nie allerdings begegnen sie den Pferden respektlos. Auch wenn ihnen viel abverlangt wird, sie schauen auf die Pferde, pflegen sie und haben ein ganz gutes gesundes Verständnis, wie man sie gesund und fit erhält.

Wer flottes Reiten wünscht, ist hier fehl am Platz, Schritt ist die Hauptgangart - wenn es Galopp gibt, ist dieser allerdings sehr flott (wer nicht will, kann auch unbesorgt langsam reiten). Die Pferde sind gutmütig und brav, wer sein Pferd sicher in allen Gangarten bewegen kann und über ausreichend Grundkondition verfügt, wird mit den Anforderungen leicht zurecht kommen.

Das Gelände ist großteils anspruchsvoll, bergauf, bergab und für ein paar Mal sollte man auch schwindelfrei sein, sonst wird es schwierig, diese Passagen zu bewältigen.

Aus seiner Komfortzone muss man sich allerdings weit heraus lehnen. Körperpflege alle paar Tage in den Banjas mit zusammengemischtem Wasser (heiss mal kalt ergibt temperiertes Wasser) in einem Bottich - oder waschen in den Gebirgsbächen. Zähne putzen im "Bad" mit Aussicht. Warmes Wasser gabs nur in den Banjas ...

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Essen immer kniend am niedrigen Tisch, schlafen in Zweierzelten oder gemeinsam in Jurten oder auch in Häusern - alle zusammen in ein oder zwei Zimmern am Boden ...

Die Toiletten - Freiluft und wieder eingraben - oder Blechhütten möglichst weit entfernt vom Nachtlager. Damit wurde der Klogang nächtens durchaus zur Herausforderung, denn Licht gibts keines, aber jede Menge Hunde, die ihren Platz durchaus gut bewachten ....

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was man dafür bekommt

das muss jeder für sich entscheiden ...

Ruhe, Gelassenheit, Zufriedenheit, Einklang mit sich selbst und der Natur und die Reduktion aufs Wesentliche

...

und noch vieles mehr - denn egal, was ich hier niederschreibe, es würde dem, was ich dort erfahren habe nie gerecht werden ...

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tschon rachmat - man sieht sich wieder, irgendwann

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Kommentar von Margot |

Danke für die tolle Fotoreportage! Ich hab sie mit Begeisterung gelesen.

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